Reviews, die in Big Shot #5 keinen Platz gefunden haben
K-MOB
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Wir kennen es noch aus unserer Kindheit, jeden Mittwoch um 7:50 Uhr standen wir Schlange am Kiosk vor der Schule. Es hat uns sexuell aufgeklärt, mit seinen Postern die Zimmerdekoration geliefert, uns stets über Mode, Musik, Klatsch und sogar Politik auf dem laufenden gehalten: Die Jugendzeitschrift K-Mob. In der 45. Ausgabe 2008 (Abb.: #34/2008) mit den Themen »K-Buck, das Pferdchen mit dem Glasauge«, »Geständnis Ralph Siegel: Ich habe K-Tel ruiniert«, »Kopftuchverbot für Sarah-K«, »Harry P. Steinmeier: Die K-Frage« und Starschnitt »Commander-K vs. Boss-K: Kartoffelnasen tanken Super«. Als Gimmick sind diesmal zwei dufte Buttons dabei, das fetzt dir aber die Knöpfe vom Leder! (K-Leb)
ANGER MANAGEMENT LEAGUE
Clashed By The AML
(LP) Scorcha
Da hatten sich die sechs Jungs von der Anger Management League aus München ja was vorgenommen. Eine LP zur Hälfte mit Reggae-Versionen von The Clash-Songs einzuspielen. Leider haben sie sich hiermit doch etwas verhoben. Sind ihre Versionen von »London’s Burning« und »Janie Jones« noch halbwegs erträglich, kann man bei den weiteren Stücken nur erschrocken abwinken: Da stimmt weder der Gesang noch die musikalische Umsetzung. Fraglich ist auch, warum man hier »Police And Thieves« unbedingt covern muss, ist es doch sowohl im Original von Junior Murvin, wie auch in der Version von The Clash schon formvollendeter Reggae. Bei diesen großen Vorbildern kann man doch nur scheitern. Zusätzlich zu den sieben Clash-Versions gibt es noch fünf Skinhead Reggae Eigenkompositionen, die jedoch auch stark zu wünschen übrig lassen. (Inspektor Harrington)
DIE ARBEITSLOSEN BAUARBEITER
09113
(CD) Puke Music
Verpackung super, Inhalt glatt durchgefallen. Und das aus diversen Gründen: nach klassischer Oi-Manier drei Akkorde (und die sind meistens ziemlich willenlos sortiert), klassischer Ost-Oi-Sound (will heißen, Gitarre bis Anschlag verzerrt, Mastering/Kompression auf 0 db, fett gemachter »wall of noise«, also eigentlich Schweinerock und kein Punk) und die Texte sind auch ziemlich »na ja«. Ich persönlich kann keinerlei Zusammenhang zwischen dem Begriff »Punk« und Texten über Saufen, Fußball, Vollgasautofahren und Frust mit der Ex herstellen, tut mir echt leid. Und wer ernsthaft singt, Chemnitz wäre die »… geilste Stadt der Welt…«, der hat ja wohl nun wirklich nicht mehr alle Spießchen im Fondue-Set. (Rude Knut)
ARTHUR & THE SPOONERS
Thank You For The Music
(CD) Contra Records
Die Spooners haben hier 12 mal pure Partylaune auf CD gepresst. Die Stücke kennt man von ihren Liverkonzerten, wenn Klassiker von den Specials, Billy Bragg, Agnostic Front, Rose Tattoo, den Slickers, Human Beinz und anderen in jeweils umgekehrter Adaption - grob formuliert: Ska als Punk und Punk als Ska - gecovert werden. Ska-Punk oder Punk-Ska, die Übergänge sind natürlich fließend; der leicht stümperhafte Touch macht dabei den positiven Unterschied aus. Da die gerade vor den Aufnahmen erst überstandene Bronchitis Krakeler Arthur auch nicht geschadet hat, unbedingte Empfehlung für alle Fans, äh, Spoonigans, und die, die es noch werden wollen. (BossK)
ASSALT 43
Nuestro Camino
(CD) Guns Of Brixton Records
Hierbei handelt es sich um eine Band aus der RASH-Szene Barcelonas. Die Band hieß Vizio 69, bevor sie sich in Erinnerung an die Schlacht von Stalingrad umbenannte. Das Bandfoto ist schon etwas grausam: 20-Loch, Armeehosen, T-Shirts und dicke Gürtelschnallen. Genauso klischeehaft scheinen die Texte zu sein: Skinhead, Skingirl, Clockwork, Working Class, Fußball, Gewalt, Oi!Oi!Oi! und Catalunya, alles in solidem Streetpunk mit gelegentlicher HC-Anlehnung gehalten. Erwähnenswert ist sicher die Stimme der Sängerin Laura, die mich spontan an eine philippinische Band namens »Putang-I-Nas« (gut!) erinnert hat - ob bei denen Männlein oder Weiblein singt, weiß ich bis heute nicht. Laura hat die Band inzwischen leider verlassen. (BossK)
THE BABYLON WHACKERS
Happy Days With…
(CD) Dirty Faces
Unglaublich vielseitige Band, deren Mitglieder bei der Aufnahme von »Happy Days With…« offensichtlich den Spaß ihres Lebens hatten. Ich bin alles andere als ein Freund von Ska-Punk und anderen Bastarden, aber dieses Album ist einfach verdammt gut. Combat Rock, 2Tone, Reggae und Roots werden hier nicht einfach zu einem möglichst schnellen Brei verwurstet, sondern die meisten Tunes sind kunstvoll arrangiert und gerade die Orgel kann einiges. Nichts für Puristen, mir macht das ganze aber allerbeste Laune. Die Tommies haben’s einfach drauf. Punktabzug allerdings für die miese Aufmachung. (Derrick Morgenthau)
BENUTS
Bavarian Ska Maniacs
(CD) Southbell/Pork Pie
Diese CD ist in Japan schon ein halbes Jahr und anscheinend jetzt auch hier erhältlich. Der Waschzettel spricht davon, daß sich die Band mit jedem Album weiter öffnet. Und auch wenn ich die Entwicklung der Bayern nur lose verfolgt habe, kann man das getrost so unterschreiben. Der 3rd Wave Ska ist inzwischen ziemlich rockig geworden, teilweise ist der Offbeat sehr in den Hintergrund getreten und ab und an gibt es auch eine verzerrte Gitarre. Der Hang zu poppigen Melodien ist hingegen geblieben. Insgesamt ist mir das Album zu beliebig und glatt - aber dieses Problem hatte ich mit der Band schon immer. Poppige Melodien bekommen andere irgendwie auch besser hin. Mein Fall ist es nicht, aber wenn sie von Fred Perry gesponsert werden, gibt es da sicherlich auch andere Meinungen. Wegen »Russia« gibts aber hoffentlich mal ‘ne Abmahnung wegen unerlaubter Verbreitung von Zirkusmusik. (dk)
THE BITE
My Reason To Live EP
(7“ EP) Daily Records
Eine Band, die auf Anhieb gefällt: Die vom Plattenladen Daily Records aus der touristischen Vorhölle am Rande der Rambla in Barcelona produzierte EP bietet 5 abwechslungsreiche Songs, die man als melodiösen Punk Rock bezeichnen könnte. Der treffendste Vergleich lautet aber: Newtown Neurotics. Gibt es eine bessere Empfehlung? (BossK)
B-SOUL ALLSTARS
Reggay Party
(7″) B-Soul
Die B-Soul Allstars sind ziemlich produktiv. Hier liegt eine Scheibe mit funky Reggae vor. Leider ist das Stück ein klein wenig unstimmig. Auch das langsame Schmuse-Reggae-Stück »Sweet Daisy« auf der B-Seite überzeugt leider nicht ganz. (Inspektor Harrington)
B-SOUL ALLSTARS
A Tribute To John Holt
(7″) Jewels
Eine musikalische Verbeugung vor John Holt erreicht uns hier aus Frankreich. Diesmal haben die B-Soul Allstars absolut ins Schwarze getroffen. Der schöne Rock Steady-Evergreen »My Best Girl« wurde so originalgetreu eingespielt, wie man es selten hört. Die B-Seite (»The One To Blame« – auch eine John Holt-Coverversion) kommt nicht ganz an die superbe A-Seite ran, ist aber völlig in Ordnung. (Inspektor Harrington)
CHRIS VAN CHROME
Burn Down The Bridges
(CD) copasedisques
Es gibt Alben, bei denen man das Gefühl hat, das alles schon mal gehört zu haben. Das Debüt von Chris van Chrome ist so ein Fall. Paul Weller in jeder seiner Schaffensphasen ist hier der Haupteinfluss, dazu hört man die Modrevivalbands Secret Affair, Purple Hearts und Small Hours heraus. Überaus deutlich wird das bei »Strip The Rotten From The Rose«, wenn das Gitarrenriff des Style Council Klassikers »Headstart For Happiness« so unverschämt geklaut wird, dass es das Plagiat von eben jenem Paul Weller bei »Start!« (»Taxman«, Beatles) auf den zweiten Platz in der Geschichte der dreistesten Riff-Diebstähle der Modgeschichte verweist. Davon abgesehen macht es sehr viel Spaß, ein solches Album zu hören, denn man rätselt eben die ganze Zeit, woher man diese oder jene Passage eigentlich kennt, um dann vielleicht festzustellen, dass man sie doch gar nicht kannte. Schrieben wir das Jahr 1979, würde «Burn Down The Bridges« als Meisterwerk eingestuft werden. Im Jahre 2008 reicht es immerhin für einen Achtungserfolg. (Capone)
DERRICK MORGAN
The Ruler
(7″) Scorcha
Derrick Morgan gibt uns hier eine neue Version seines 60s Rock Steady-Hits »The Ruler«. Unterstützt wird er dabei von Rude Rich And The Highnotes (ein Spaltprodukt der niederländischen Ska-Legende Mr. Review). Da hier absolute Vollprofis am Werk sind, stimmt einfach alles: Routiniert und absolut gekonnt eingespielt. Auf der B-Seite gibt’s als Dreingabe noch ein angenehm orgellastiges Skinhead Reggae-Instrumental von den Black Emeralds. (Inspektor Harrington)
DESTRUCTORS 666/DIRTY LOVE
Split
(6-Track-Maxi-CD) Rowdy Farrago Records
Bei dem Scheiß-Cover (Bildinhalt geht klar- Miss Liberty mit Gasmaske- aber die grafische Umsetzung und das Gesamtarrangement sind ‘ne glatte Katastrophe) hätte ich in freier Wildbahn das Teil niemals im Leben eines zweiten Blickes gewürdigt und das wäre wirklich schade gewesen: Dirty Love hätte ich spontan fast mit den Blackmail-Tapes der Photos verwechselt - Punkiger Powerpop der Oberklasse mit amtlich rotzigem Frauengesang, nur ist der Bass nicht ganz so virtuos wie bei den Photos. Alle Achtung! Destructors 666 tendieren dann mehr zum klassischen 70s Punk und covern auch noch den Deedee-Ramone-Junkie-Klassiker »Chinese Rocks« ganz ordentlich und mit eigener Note. Obwohl ich genau damit so meine Probleme hab: wenn man so was singt, dann sollte man gefälligst auch nachweislich an der Nadel hängen… (Rude Knut)
DREWVIS
For The Win
(CD) Do The Dog
Chris Murray und Rhoda Dakar haben’s gemacht und Vic Ruggiero tut’s auch regelmäßig: Ska Acoustic. Drewvis aus Brighton ist nämlich ein Mann mit seiner Gitarre, der sein Handwerk beherrscht und so etwas wie Offbeatsongs produziert. Einige Songs sind schon »catchy« und haben ordentlich Tempo (»Head Up, Keep Smiling«), die Musik aber auch nur entfernt als Ska zu bezeichnen, ginge doch viel zu weit. (BossK)
ETTIN
Rise yourself
(CD) Do the Dog
Aus Sussex kommt diese vierköpfige 3rd Wave Ska Band. Die Sängerin ist im Vergleich zu anderen Bands dieses Genres Herrscherin über ihre Stimme. Besonders bei den Uptempo-Stücken »I Know Me« und »Let’s Sit« klingt die Band sehr professionell. Leider ist der Rest der Stücke etwas zerfahren und die Arrangements und Melodien sind recht holprig. Die langsamen Stücke können generell nicht überzeugen, da ist wohl noch etwas Reifung erforderlich. (Inspektor Harrington)
FRANK POPP
Hey Mr. Innocent
(MCD/Single) TV Eye Records
Frank wird man sicherlich nicht nachsagen können, dass er verzweifelt versucht, »Hip Teens« neu zu schreiben. Diese Single hätte gar keinen Soul-Einfluss, wäre da nicht die Stimme von Sam Leigh-Brown. Ansonsten klingt das Stück eher wie eine späte Sixties-Beat-Nummer. Aber genau diese Mischung aus Gitarrensound und dem Gesang gefällt. Ein Chart-Erfolg wird es wohl aber eher nicht werden, was weniger an der Qualität an der Musik liegt, im Gegenteil. Die B-Seite, ein Remix der A-Seite von Frank Popps alter Ego Maria Gnaerls, klingt wie Plastic Bertrand. Auf einer Garage/Indie-Party sorgt die Single, A-und B-Seite, ordentlich für Stimmung, wie ich aus eigener Erfahrung sagen kann. (Capone)
JIMMY THE SQUIRREL
s/t
(CD) Do The Dog
Schon wieder eine neue Band der ewigen Talentsucher von Do The Dog. Zu den vier Songs der 5 Jungs aus Nottingham gibt es aber nicht viel zu sagen: nicht gut, nicht schlecht, nicht interessant. Mal abwarten, ob sie den nächsten Schritt noch rechtzeitig vor der Auflösung schaffen. (BossK)
THE LOST BANDITOZ
Uppercut
(CD) Spirit of 69 Records
Nach langem Warten meldet das ehemals Augsburger Label Spirit of 69 sich nun zurück. Und die Lost Banditoz aus Stuttgart begeistern! Hier sind offensichtlich Könner am Werk, denn so reif und erwachsen klingt 3rd Wave Ska leider viel zu selten. Angenehm, wenn eine Band mangelndes Können nicht mit Tempo wettmachen muss, wie das ja so oft bei Ska Revival-Bands der Fall ist. Auch der Gesang ist wirklich sehr angenehm. Die 12 Tracks bewegen sich zwischen Ska und Rock Steady und sind ausnahmslos sehr gut. Wer auf Slackers oder Shots In The Dark steht, sollte hier ohne Zögern zugreifen. Einziger Kritikpunkt: der doofe Name. Weiß doch jeder, dass man heutzutage nur Erfolg hat, wenn man mindestens »Aggrobossonianlites« heißt und »brutal, dirty, aggro flavoured boss reggay« spielt, wie auch immer sich das anhört. (Melodies of War)
LOU & BENNY
Dents de Lait, Dents de Loup
(7″) B-Soul
Nette Single des französischen Duos. Die französischsprachige A-Seite bewegt sich auf halber Stecke zwischen Beat und Soul. Die Orgel fällt bei dieser Serge Gainsbourg-Coverversion auch angenehm auf. Auf der B-Seite ist ein recht gefühlvolles, relaxtes Midtempo-Reggaestück namens »These Eyes«, hier gefällt die Melodica. Lou & Benny haben zwar den Retro-Sound nicht neu erfunden, aber diese Scheibe ist durchaus sympathisch. (Inspektor Harrington)
MADLOCKS
Riot
(CD) SN-Punx
Die Madlocks gibt es bereits seit 9 Jahren, seit der Debütsingle im Jahr 2000 haben sie aber nichts mehr veröffentlicht. So haben es auch 18 Songs auf ihr erstes Album geschafft, hauptsächlich Streetpunk und gelegentlich Hardcore. Mit den sehr eingängigen »Good Night White Pride« und »We Are Madlocks« sind ihnen auch Songs gelungen, die das Zeug zu Hymnen haben. Dazu gibt’s noch vier Videos, gute Sache. (BossK)
MOBSTER
The Knee Jerk Reaction
(CD) AMTY Records
Mit den Herren Anderberg und Salonen spielen bei den schwedischen Mobstern gleich zwei ehemalige Skalatones. Mit dieser Information und der Ankündigung, Mobster würden »old-school ska« spielen, hätte ich mir ehrlich gesagt einen erwachseneren Sound erwartet. Aber selbst die Pioneers Nummer »Rudies Are The Greatest« wird in einen ziemlich stressigen 90er-Ska-Einheitsbrei verwandelt. Mir ist das ganze Album oft zu hektisch und zu rockig. Wahrscheinlich tue ich Mobster mit diesem Review ziemlich Unrecht, denn das Album bietet phasenweise auch guten 2Tone und nette Ska-Nummern, aber meines ist das alles irgendwie nicht. Mit »Nose To The Grindstone« versucht man sich dann noch am typischen Clash Sound, aber auch das funktioniert bei mir auch nicht wirklich. Anspieltipp: die ziemlich gute Nummer »Down Memory Lane«. Auf das interessante Label AMTY Records sollte man trotzdem ein Auge haben. (Derrick Morgenthau)
THE MOVING SOUNDS
Playing Their 08 Hits
(EP) copasedisques
Die Energie eines Livegigs lässt sich nur schwer auf Platte pressen. Was für die Moving Sounds in ganz besonderem Maße gilt, man denke nur an ihr erstes Album. Bei der vorliegenden EP gibt’s aber nix zu meckern. In einem Take im Hörwerk Analog-Tonstudio in Bremen aufgenommen, werden hier vier Hits geliefert. So gut, dass man meinen könnte, die Mods hätten sich von einem der zahlreichen wunderschönen Werder-Spielzüge inspirieren lassen. Aggressiv, voller Eleganz und auf den Punkt. Besser geht’s nicht. Ehrlich. (Capone)
THE OFFENDERS
Hooligan Reggae
(CD) Conehead
Die Offenders aus Italien sind eine Szene-Band, die keinen Skinhead Reggae spielt. In den heutigen Zeiten ist das ja geradezu mutig. Dafür gibt es schön poppigen 3rd-Wave-Ska, der einen glatt zwanzig Jahre zurück katapultiert. Klar, die letzten zwei Jahrzehnte sind nicht spurlos an den Italienern vorbei gegangen, so hört sich z.B. “Stay” sehr nach Two Tone Club an. Traditionell ist das natürlich in keinster Weise, trotzdem ist es tausendmal besser als das Zeug, was man teilweise heutzutage als modernen Ska untergeschoben bekommt. Flottes Tempo und schöne Melodien - was will man mehr für die dunklen Wintertage. (dk)
OPEN SEASON
Here we go
(CD) Leech Records
Das letzte, was ich von Open Season gehört habe, war glaube ich »Rocksteady Fever« von 2002; lupenreiner Ska Revival-Sound war das damals. Dementsprechend verwirrt war ich, als die ersten Klänge ihres neuesten Albums »Here We Go« erklangen: so unglaublich viel Bass, so viel Elektronik ließen mich zweifeln, ob das überhaupt die selbe Band wäre. Es handelt sich natürlich um die selbe Band und ich muss sagen, dass ihr musikalischer Wandel Richtung Dancehall, Roots und Dub ihnen außergewöhnlich gut getan hat! »Here We Go« ist ein sehr eigenständiges, cooles und innovatives Album. Beeindruckend auch wieder mal, wie perfekt das Album produziert wurde. Leech hat da wirklich ein Händchen. Sicher nichts für Ska-Puristen, aber bester Stoff für alle, die es auch mal moderner mögen. Anspieltipps sind die mächtigen Roots-Nummern »Out Of A Clear Sky« und »Wait For Me«. Die Überraschung des Jahres für mich. (Melodies of War)
ROBB BLAKE
One man Ska Explosion
(CD) Do the Dog
Solo(!)-Album des ehemaligen Whitmore-Frontmannes. Das Album läuft ziemlich poppig - im Sinne von etwas seicht und mainstreamig - ohne besondere Höhen und Tiefen, aber weit davon entfernt, nervig oder schlecht zu sein, durch. Das Coverartwork im Stil der »Trojan Explosion«-Reihe ist ausgesprochen schön. Nette Musik zum Autofahren, Staubsaugen und Biertrinken. (Derrick Morgenthau)
THE SKINTS
s/t
(CD-EP) Do the Dog
Das für Ska und Revival Reggae ausgefallene Vocal Styling gefällt mir stellenweise ganz gut. Auch mit den politischen Lyrics (gegen Swastikas, Diplomatie mit anderen Mitteln, supranasale Oligosynapsie und andere derzeitige Trends in der Skinheadszene) setzt man sich positiv von der Konkurrenz ab. Trotzdem will das Album nicht wirklich zünden - zu hektisch, zu unstrukturiert und zu wischiwaschi ist das ganze oft. Lässt Jamaica Ska-Fans ungefähr so (un-)befriedigt zurück wie ein Sublime-Album, und so ungefähr klingen die Skints auch. Nichts für mich. (Paolo Pinkel )
THE SLOW SLUSHY BOYS
Move Your Hand
(7″) B-Soul
Die französischen Slow Slushy Boys bringen uns hier eine nette R&B-lastige Soulscheibe mit scharfem Funkbeigeschmack im Mid-Tempo. Toller fetter Sound, dichte Athmosphäre. Leider ist der Gesang nicht ganz so dolle. Auf der B-Seite gibt’s eine völlig ‘okaye’ Coverversion von »Don’t Look Back« (Im Original von den Temptations). (Inspektor Harrington)
THE SLOW SLUSHY BOYS
Love & Affection
(10″) B-Soul
Die französische R&B-Band lässt es hier amtlich grooven. Gelegentlich ist auch etwas 60s-Beat und Prä-Funk dabei. Sehr ordentlich hört sich ihre Coverversion des Jr. Walker-Klassikers »Shotgun« namens »Shotgun Boogaloo« an. Auch der Rest der Songs dürfte Mods und deren Freunde in Tanzlaune bringen. Sehr nett. (Inspektor Harrington)
SPANX
Love, Hate, Pain
(CD) Puke Music
Also gespielt und arrangiert ist’s nicht schlecht, kann man mal grob unter »Punk« subsumieren, Melodie- und Spannungsbögen sind einfallsreich und technisch gibt’s da auch an der instrumentalen Umsetzung garnix zu mäkeln. Aber die Texte - meine Herren! Dabei handelt es sich um deutsche und englische, wobei die letzteren wie erstere auch auf den ersten Blick grammatikalisch soweit klar gehen, doch was sind das denn für larmoyant bis suizidgefährdet anmutende Inhalte? Ist das jetzt »Emo« oder schon »Gruft« oder was? Hab ich ja zugegebenermaßen keinen Plan von, bin ich wohl signifikant zu alt für, ist aber partout nicht meine Hausnummer, sorry, die Herren Musikanten! Auszüge gefällig? Na bitte: »…tief in dir drin’ - Gefängnis der Gefühle - dort sind Narben - auf dem Grund deiner Seele…« Ich denke das reicht. Mann, Kinders, seid doch mal’n bisschen positiver! Und was soll eigentlich immer dieses Haargestrüpp im Gesicht/am Kinn? (Rude Knut)
STAN OR ITCHY
Sweat ‘n’ Suits
(CD) Flat Daddy Records
Warum immer ich! Um es vorweg zu nehmen: Mit der Musik von Stan Or Itchy kann ich nichts anfangen. Und wahrscheinlich geht es einer Menge (jüngeren) Leuten ganz anders, also dann mal rein in die Nesseln: Den von der Band angekündigten »Ska Pop« kann ich nicht heraushören. Stattdessen gibt es Turboska mit extrem rockigen Refrains, man wird durch das Album getrieben wie eine losgerissene Boje durch einen Nordseeorkan. Die etwas sanfteren Klänge fallen so spärlich aus, dass es nicht für eine Erholungspause reicht. Die meisten Stücke dauern an die vier Minuten, aber nach nicht einmal der Hälfte ist das Interesse jeweils erloschen. Und jetzt will ich alter Sack ins Bett. (BossK)
TALCO
Mazel Tov
(CD) Mad Butcher
Talco aus Italien hatten mich mit ihrem Debüt eigentlich nicht so überzeugt. Nun liegt ihr aktueller Longplayer »Mazel Tov« vor und ich muss sagen: Hut ab. Fetter Sound, der schön arrangiert zum Tanzen, Schunkeln und Mitsingen einlädt. Allerdings haben Talco hier den Ska-Punk früherer Tage hinter sich gelassen und spielen jetzt »Punk-Chanka«. Eine Mischung aus Punk und italienischer Folklore, was aber ziemlich nach vorne losgeht. Ich denke bei gewissen Leuten, die an der Wegkreuzung zwischen Fußball, Antifaschismus und Subkultur rumlungern wird dieser Tonträger punkten. Die Marschrichtung ist mit dem Bonustrack »St. Pauli« schon vorgegeben und ich kann den begeisterten Mob schon förmlich durch den Jolly Roger Pub toben sehen. (Inspektor Harrington)
THE LOVE ME NOTS
Detroit
(CD) Atomic A Gogo
Was ist eigentlich nochmal so faszinierend an Detroit? Motown, okay. Ach ja, Stooges, MC5 - gemeinhin »Rock« genannt. The Love Me Nots bisher noch nicht, und dieser Weg ist unendlich und voller Felsbrocken oder wie der Naidoo Xaver das gesagt hat. TLMN spielen einen seltsamen Mix mit scheppernder Farfisa, zerrender Gitarre und kräftigem Frauengesang, der am Ende auch nur eines ist: Rock. Da, wo The Movements stets genau den Nerv treffen, zielen TLMN stets exakt daran vorbei. Stellt euch vor, Joan Jett, Ron Asheton und Georgie Fame würden zusammen eine Session machen. Wie sich das anhören soll? Eben. Sängerin Nicole Laurenne spielt übrigens, und dafür höchsten Respekt, nebenbei auch die verdammt nochmal nicht schlechte Orgel! (Dr. Organ Cut)
UMBRELLA BED
Go
(CD) Mad Butcher
Von Umbrella Bed hatte ich noch den Song »Cocomo Joe« von dem Sampler »Skanking The Scum Away« angenehm in Erinnerung. Auch die geschmackvolle Covergestaltung der aktuellen CD ist vielversprechend. Jedoch erlebte ich beim Anhören eine Enttäuschung. Die CD plätschert ereignislos vor sich hin, die Soundqualität ist mäßig und der Sänger klingt gelegentlich etwas nach Gießkanne. Allerdings rettet das wirklich gelungene Instrumental »Narcissus« diesen Tonträger. (Inspektor Harrington)
UN KUARTITO
Cerca del Mar
(CD) Übersee
Eine typische Veröffentlichung des Übersee-Labels: Ska aus Argentinien mit gelegentlichen Hip-Hop-, Latin- und Punkeinflüssen. Gesang ist vorwiegend in Spanisch. Handwerklich alles ganz okay - der Track »Planta« ist sogar recht gelungen - aber sicher nicht das letzte Wort in Sachen Mestizo. Eine ziemliche Frechheit erlauben sich Un Kuartino am Ende der CD: Eine Punk-Coverversion des Wailers-Stücks »Put It On«, die schlampig runtergespielt und in lausigem Englisch gesungen wurde. (Inspektor Harrington)
VARIOUS ARTISTS
Jump Up Is Spectacular Entertainment
(CD) Jump up
Ein nette Idee, diesen Labelsampler von Jump Up Records wie eine karibische Touristen-Souvenir-Scheibe zu präsentieren. Versammelt sind hier 19 Tracks der internationalen Ska- und Reggaeszene. Besonders hervorzuheben wären hier der Skinhead Reggae von Crazy Baldhead, der fette Big Band Calypso von Lord Mike’s Dirty Calypsonians, Dr. Ring Dings gewohnt guter DJ-Reggae, die ungewöhnlichen Dub Is A Weapon (natürlich mit fiesem Dub), der deftige Ska der Joe Ferry Big Band und der düstere Geisterbahn-Reggae der Drastics. Insgesamt ein gelungene Probepackung des sympathischen Labels. (Inspektor Harrington)
VARIOUS ARTISTS
Knock Out Vol. 1 +2
(CD) Knock Out
Knock Out legt seine ersten beiden Label-Compilations noch einmal als Doppel-CD MIT 48 Songs auf, warum nicht. Ende der 90er waren Labelsampler ja sozusagen ein Muss, so gab es auch welche von Teenage Rebel Records und dem längst abgesoffenen Nordland Records; Knock Out waren aber, bei ihrem Output kein Wunder, damit am fleißigsten. In den mir vertrauten Musikzweigen gibt es ja sowas seit jeher, sei es Trojan oder Crab, Kent oder Motown, No Future oder Link, 2Tone oder Staccato oder oder oder…Ach ja, das sozusagen doppelte KO-Recycling mag ich, ist wie alte Kassetten hören. (BossK)
BUCH
FRITHJIOF JACOBSEN
101 - Ein Jahr auf Tour mit Gluecifer
17,90 Euro, deutsch, ISBN 987-3-931624-43-9
Hier schreibt also Herr »Biff Malibu«, seines Zeichens Sänger der norwegischen Schweinerocker Gluecifer, ein Tourtagebuch der Abschiedstour der Combo. Schön, ich hab mir sogar die Mühe gemacht, die alten Cassetten mit den ersten 2 Platten der Combo auszugraben, um mir das im richtigen Ambiente zu geben. Ja, ich muß zugeben, ich fand diese ganze Skandinavienrocker wie Hellacopters, Gluecifer, Hives, Turbonegro (die hatten ein paar supergeile Gigs im Zapata/Tacheles, wo sie jedes Mal vor ca. 50 Leuten die Bude mit zerschlitzten Kopfkissen u.ä. bis zur Unkenntlichkeit verwüsteten…) etc. damals ab ca. Mitte der 90er gar nicht so übel, da Oi immer stumpfer und Punk/Hardcore entweder grindiger/crustiger oder steroidiger/machodickhosiger wurde- da waren die von da oben doch erfrischend »Back to Basics«. Und ab und zu braucht man es eben auch etwas härter, Soul und Reggae alleine gehen halt auch nicht immer ins Ohr. Das mit der Begeisterung für Skandinaviens Brachialos hat sich aber dann auch wieder gelegt, als diese Combos langsam Stadien füllten und sich plötzlich auch der letzte Honk von Mutti fette Aufnäher a la »Turbojugend Arschnasenhausen« auf die Levi’s-Jacke nähen ließ…
Zur Sache: Schön flüssig geschrieben, las sich gut am Stück durch. Eines fand ich sehr amüsant: als sie in Stockholm weilten, spielte ihnen Nicke A. von den Hellacopters die Roughmixes der ersten Solution-Scheibe vor und die Schweinerocker fanden diese gut. Da bin ich doch ein wenig neidisch, das Zeug hätte ich nur allzu gerne mal im Rohzustand gehört…
Aber eines stört mich doch ein bißchen: Ich hab eigentlich erwartet, dass die Jungs unterwegs nix anbrennen lassen, aber die waren auf Tour vergleichsweise ausgesprochen zahm und gesittet; wenn da ich mal an meine eigenen gewesenen und aktuellen Combos unterwegs denke… (Rude Knut)
JOEY KEITHLEY
Ich, Shithead - Mein Leben als Punk
18,90 €, deutsch, ISBN 978-3-931624-32-3
Das Buch ist toll. Trotz aller Schwächen ist es ein inspirierendes Buch eines beeindruckenden Menschen. Joey ‘Shithead’ Keithley erzählt hier aus seinem Leben und von seinen Erlebnissen als Frontmann von DOA. Leider gestaltet sich dies über weite Teile des Buches ziemlich dröge und artet oft in pure Aufzählerei aus, wo, wann und mit wem DOA jetzt genau spielten. Der Focus liegt hier meiner Meinung nach zu sehr auf Vollständigkeit, besser wäre es gewesen, die langweiligen Fakten nur kurz zu streifen und dafür die interessanten Anekdoten etwas ausführlicher zu erzählen. Nichtsdestotrotz sind es gerade diese kleinen Anekdoten am Rande, die das Buch beim aufmerksamen Lesen so interessant machen. Wer hätte gedacht, daß es auf DOA Touren einen Kassenwart gibt, der das Geld verwaltet und jedem Bandmitglied ein tägliches, genau kalkuliertes Taschengeld zur freien Verfügung stellt? Da lacht das Herz des Buchhalters. Oder welcher deutsche Musiker würde wochen- und monatelang nur von Kartoffeln und Ketchup leben, weil für mehr keine Kohle da ist? Das nenne ich mal Hingabe an die Musik! Überhaupt ist diese »Niemals aufgeben!« Haltung überall zwischen den Zeilen zu lesen und macht das Buch damit auch zu einem anschaulichen Lehrwerk der DIY-Philosophie. Und da die sprachlichen Schwächen des Buches höchstwahrscheinlich sowieso Resultat einer äußerst schwachen Übersetzung sind, ist das Buch vor allem eine idealistische und mitreißende Biographie, die das Shithead-Motto »Talk-Action=Zero« (gut, Mathematiker war er nicht, hehe) lebendig werden lässt. (dk)
DVD
4 PROMILLE
Ein letzter Gruß - Live in Leipzig 2.11.2007
(DVD) Knock Out Records
Über den Sinn oder Unsinn von Liveaufnahmen (seien es jetzt CDs oder DVDs) mag man sich streiten, ich bin jedenfalls kein Freund davon. Ein Konzert schaue ich mir dann doch lieber live an. Davon mal abgesehen muß man dieser Aufnahme des Abschiedskonzertes von 4 Promille im Leipziger Conne Island aber zu Gute halten, daß die üblichen Klippen bei Liveaufnahmen gekonnt umschifft wurden und die Bild- und Tonqualität der Aufnahme wirklich hervorragend ist. Neben der DVD gibt es die Aufnahmen noch auf zwei CDs und die Box kommt in schickem Artwork. (dk)
EL RITMO QUE ADOPTAMOS DEL CARIBE
(DVD) Reggae News Madrid
Wer spanisch kann ist bei dieser DVD klar im Vorteil. In nur 13 Minuten gibt es einen kleinen Crashkurs in Sachen Ska, sowie Interviews mit Toni Face (Liquidator Records), Jaime Grigado (Malarians, Peeping Toms), Begona Bang Matu (Orquestra Kingston) und Bandmitgliedern von den Ministers. (Inspektor Harrington)
FANZINES
ANTiEVERYTHING #77
3 Euro, www.nihilistjustice.de
Hey, ist da was Interessantes bislang vor meiner eigenen Haustür an mir vorbeigegangen? Ich tippe mal, dass das die 7. Ausgabe sein muß, da die letzte laut Aussage Bekannter wohl mit »#666« versehen war. Was kommt als nächstes? Doch hoffentlich nicht »#88«…
Schick arrangierter A5er mit buntem Cover, der neben ein paar Reviews hauptsächlich aus Comics und verschiedensten teils episodierten Texten besteht, die man weitestgehend in die Schublade »Social Beat Literatur« stecken kann und die durch die Bank gut und ziemlich »political aware« sind. Weitaus cooler als diese ewigen Konzertberichte und Interviews mit oftmals einfallslosen Fragestellern und Befragten. Gefällt mir ziemlich, das Teil. Gibt’s da noch alte Nummern von? Will ich haben! (Rude Knut)
BLICKFANG ULTRA #6
3 Euro, erhältlich bei www.nofb.de
Das Blickfang Ultra ist seinerzeit aus dem Blickfang Ost hervorgegangen. Seit damals hat sich einiges getan und mit der sechsten Ausgabe liegt ein 88 Seiten starkes, voll farbiges Heft vor. Neben dem Artikel zu Stadionverboten, den zahlreichen sehr guten Fotos und dem Interview mit den Ultras von Rapid Wien überzeugen vor allem die Match Reports, die schon das Blickfang Ost zu einer höchst amüsanten Lektüre gemacht hatten. Für Big Shot Leser ist der fundierte Artikel über Mods und die Einflüsse des Modernism auf die heutigen Kurven von besonderem Interesse. Nicht-Ultras mag einiges am Ultratum bierernst und übertrieben pathetisch erscheinen, aber das sollte man wohl weniger diesem Heft ankreiden als der gesamten Ultraszene. Übel stößt an dem sonst sehr objektiven Heft einzig die unreflektierte Parteinahme für den kroatischen Nationalismus in einem Bericht zu einer Demonstration in Kroatien auf. Wer sich nur einen Funken für Fußball und das Treiben in den Kurven interessiert, sollte sich das Blickfang Ultra unbedingt zulegen. (Derrick Morgenthau)
DO THE DOG #48
www.dothedog.com
Ich hab’s ja zugegebenermaßen noch nie in den Händen gehalten, aber sind diese grad mal 8 Seiten News aus der Ska-, Reggae-, Skinszene wirklich ein Fanzine oder eher ein Newsletter außerhalb einer etwas dickeren Erscheinung? Ist trotzdem sehr informativ, wer grad mit wem an der nächste Platte feilt oder wo mit wem ne Tour ansteht etc.pp, da auf den 8 Seiten eine Unmenge an News verbraten wird. Weil die einzelnen Artikel (im jeweiligen Umfang an die Boulevardpresse erinnernd) sehr kurz und aufs Wesentliche beschränkt sind, kriegt man eben eine schier unglaubliche Menge an Informationen aufs Auge gedrückt. Bin verblüfft und angenehm überrascht. (Rude Knut)
DO THE DOG #50
www.dothedog.com
Glückwunsch zum Fünfzigsten! Man kann darüber streiten, ob in den Tagen von Blogs und Feedreadern ein Printmagazin, das nur aus News und Tourdaten besteht, noch seine Berechtigung hat. Trotzdem ganz nett, regelmäßig mit den acht Seiten geballten Ska News aus dem Hause Do the Dog beglückt zu werden. Auf die nächsten 50! (Derrick Morgenthau)
DRACHENMÄDCHEN #12
Preis unbekannt, erhältlich über positive3d@myruin.de
Von dem Namen sollte man sich nicht abschrecken lassen; das Drachenmädchen - übrigens in äußerst schickem Format - richtet sich weder an Mittelalterspinner noch an Rollenspielfreaks. Den Inhalt des Heftes zu beschreiben fällt schwer, aber einen Großteil machen sehr persönliche Geschichten der Autoren aus. Mein Highlight ist ein sehr ausführlicher Reisebericht über San Francisco. Musikalisch bewegt man sich zwischen Dean Dirg, Insomnio, Plemo und den großartigen Bratze. Bestimmt nicht für jeden Big Shot Leser das richtige, aber wer sich von genannten Bands und Themen angesprochen fühlt, wird von dem liebevoll gestalteten Zine sicher nicht enttäuscht sein. (Paolo Pinkel)
HATE - DAS MAGAZIN FÜR RELEVANZ UND STIL #1
inkl. Porto 3 Euro, über info@hate-mag.com
Endlich: das Heft für alle, die »Koksen, Kotzen, Kommunismus« für die Beschreibung eines gelungenen Wochenendes halten. Inhaltlicher Höhepunkt ist neben einem Interview mit einem Pädophilen Keta Minellis Bericht über ein Natursekterlebnis in Berlins Antifa-Szene, das verdeutlicht, dass die Grenzen eben doch »nicht zwischen den Völkern, sondern zwischen oben und unten verlaufen«. Muss man gelesen haben. Wenn Stuckrad-Barre Popliterat ist, dann ist Keta Minelli Techno-Literat. Abgerundet wird das ganze mit Fußball & Gewalt und vielen schönen bunten Bildern. Kaufen Koksen Kommunismus! (Paolo Pinkel)
MOLOKO PLUS #33 & #34
2,50 Euro, www.moloko-plus.de
Eigentlich ein super Heft (in diesem Falle gleich 2), interessantes Zeug, soweit das Auge reicht: von Bandgeschichten und Interviews mit den Ruckers, Stage Bottles, Carpettes, (meiner Ex-Combo) The Not Amused u.v.a. bis hin zu interessanten Geschichten aus Sport, Subkulturforschung ferner Länder und literarischen Exkursionen mannigfaltigster Art reicht die bunte Palette. Wie üblich leider ohne Inhaltsverzeichnis und ohne Seitennummerierung, daher von meiner Seite auch keine Angabe der Seitenzahl; das erschwert leider oft genug das Wiederauffinden verblätterter angefangener Artikel, wenn man sich zuvor das Seitenlayout nicht eingeprägt hat- so was passiert mir dauernd…
Und jetzt zum »Eigentlich« am Anfang des Reviews: Im Gegensatz zum Pankerknacker mach ich es euch wirklich zum Vorwurf, daß ihr K.B.-Records (und ich hab jetzt mal nicht nachgesehen, ob wie beim »Oi!, The Print« solche Vögel wie United Kids womöglich auch noch vertreten sind) bei euch inserieren lasst- ihr könnt euch nun wirklich nicht mit Unwissenheit herausreden, ihr kommt zumindest ursprünglich aus der Glatzenecke und ihr solltet Bescheid wissen. Gibt’s da mal ne Stellungnahme dazu? (Rude Knut)
MOLOKO PLUS #36
2,50 €, info@moloko-plus.de
Auch dieses Heft kurz vor knapp reingeschneit, Wahnsinn, welche Schlagzahl in Dorsten vorgelegt wird. Die nächste Nummer ist auch schon für Dezember angekündigt! Mal schauen, was es dann gibt, dieses Mal u.a. mit dabei die Whiskey Daredevils (+ eine Live CD), Middle Class Fantasies, Broken Heroes (was für dämliche Statements, erst von wegen »Smashing Hippies« rumtönen, dann aber selber schlimmstes Toleranz-Gewäsch a la »jeder soll sagen und denken, was er will« und »haltet die Politik raus und laßt uns alle zusammen Spaß haben« absondern) und natürlich der übliche Quatsch. (dk)
OX #76
4,50 €, www.ox-fanzine.de
Na das Ox halt, was kann man dazu schon groß sagen? Mehr Werbung darf’s wahrscheinlich nicht werden, sonst müßten sie das Machwerk wohl weitaus teurer als Katalog verschicken. Wie üblich interessieren mich ca. 25% des Inhalts soweit, daß ich sie umgehend und relativ zügig am Stück durchlese, danach landet das Ding wie immer bei uns im Badezimmer, wo man sich dann den Rest während der Verrichtungen an dieser Stelle ungenannter körperlicher Notwendigkeiten reinzieht… nicht das Unappetitliche, was ihr schon wieder denkt, ich meine natürlich das klassische Vollbad!
Es macht jetzt kaum Sinn, auf einzelne Artikel oder Interviews einzugehen, das würde hier mal glatt den Rahmen sprengen. Gut, wenigstens ein oder zwei Auszüge: Super ist das Interview mit »Punk - an oral History«- Autor John Robb, auch wenn ich seine Ansichten zum Volldeppen Gary Bushell wahrlich nicht teile, und natürlich Abel’s flott geschriebene Bandhistory der Razors. Auffällig ist außerdem, daß das Ox es irgendwie hinkriegt, die beigelegte CD trotz Platzverkaufspolitik immer noch auf einem beachtlichen Niveau zu halten- da sieht es bei anderen Zines (ich nenne hier mal besser keine Namen) eher düster aus… (Rude Knut)
PANKERKNACKER #17
3 Euro, www.pankerknacker.de
Wat denn, so lang jibbet die schon? Hut ab! Und wieder einmal ein quietschbuntes Cover- so was scheint langsam allgemein Pflicht zu werden. Format A4, satt schräge Urlaubsberichte und Gig-Erlebnisse, diverse Reviews und coole Literaturbeiträge, z.B. von Herrn Jan Off- speziell der ist mal wieder wie gewohnt super. Alles in Allem eine runde Erscheinung, an der man lange zu lesen hat- ich muß gestehen, ich hab noch nicht alles geschafft. Nur eines stößt mir sauer auf: habt ihr es echt nötig, Grauzonen-Spacken wie K.B.-Records gleich eine ganze Seite Anzeigenplatz zu verkaufen, der da u.a. noch dazu einen kommenden Release der rechtsoffenen Vollpfosten Gerbenok bewirbt? Na gut, wie sollt ihr Stachelköppe auch wissen, was bei uns Kaumhaarigen so abgeht- ich verbuche das mal gnädigerweise unter der Rubrik »Unwissentlich«- aber jetzt seid ihr hoffentlich im Bilde. (Rude Knut)
PANKERKNACKER #18
3 €, killer@pankerknacker.com
Im Pankerknacker wird seit mehreren Ausgaben dasselbe Konzept verwirklicht: Kurzgeschichten von mehr oder weniger prominenten Autoren wie bspw. Klaus N. Frick oder Jan Off (wobei man da bei einigen Geschichten den Eindruck hat, daß hier nur die Ausschußware zum Zuge kommt), einige ausgewählte Interviews und Konzert- bzw. Reiseberichte. Das ist dann je nach Qualität der Beiträge mal mehr oder weniger gelungen, aber genau diese Gleichförmigkeit und das Fehlen jeglicher Weiterentwicklung ist es, die das Heft so langsam recht langweilig werden lassen. (dk)
PUNKROCK #5 & #6
2,50 €, www.punkrock-fanzine.de
Schön gemachter und sehr aufgeräumter A5er mit quietschbuntem Cover, an dem es nix auszusetzen gibt: weit weg von Unpolitik und pseudoprovokativ gekünsteltem Prolltum. Verantwortlich ist unter anderem wohl der Herr Bocky, vormals von der seinerzeit nicht minder guten »Pogo Presse« wohl dem ein oder anderem kein Fremder. Dazu gesellen sich wohl wechselnd andere sympathische Zeitgenossen, in der aktuellen Ausgabe u.a. der Alan vom göttlichen »Alf Garnett« und der »God of Social Beat« Jan Off. Da muß man eigentlich garnix mehr zu sagen außer vielleicht: »Alle verfügbaren Daumen inkl. großer Zehen hoch!« So sieht man dann auch mal gnädigerweise über Artikel wie »Rude Boys« hinweg, der mit semifundiertem Halbwissen glänzt; dem Autor sei hiermit nahegelegt, sich mal das Buch »Bass Culture« von Lloyd Bradley zu Gemüte zu führen, der Herr geht da u.a. etwas ausführlicher auf die Themen Gangs, Gewalt und Politik ein. Den Wälzer sollten eh alle gelesen haben, die was mit jamaikanischer Musik am Hut haben.
Ach ja, eins noch: ein klein wenig stinkig bin ich doch, und zwar über den Artikel »Nazi Punks Fuck Off!«- aber auch nur, weil ihr mir damit zuvor gekommen seid, ich bin bereits seit längerem auch genau an dem Thema/Volk dran. Jetzt kann ich mir überlegen, ob ich das in die Tonne trete oder wie ich das umbaue, damit’s nicht wie Trittbrettfahrerei wirkt… Grummel… obwohl, wenn ich noch länger dran rumrecherchiere, wird das vermutlich eh ein ganzes Buch. Da könnten wir uns übrigens mal kurzschließen, lieber Bocky, wie wär’s? (Rude Knut)
RINN INNE PANN #8
2 Heftklammern, r-i-p-zine@web.de
Kurz vor knapp fällt hier noch das neue RIP in den Briefkasten und leider auch gleich auseinander, weil man tragischerweise - nachdem man das letzte Mal wohl doch etwas über die eigenen Verhältnisse gewirtschaftet hat - kein Geld für Heftklammern übrig hatte. Aber Not macht erfinderisch, deswegen werden Bilder gemalt anstatt sie zu drucken. Netter Gag mit dem Backcover! Im Vergleich zu dem abgehobenen, snobistischem letzten Heft wieder etwas mehr Back To The Roots. (dk)
THREE CHORDS #10
3 €, info@three-chords.de
Es gibt wirklich nicht viel, worüber man sich richtig und ehrlich freut, wenn es zum besprechen im Postfach liegt. Das Three Chords gehört auf jeden Fall dazu und die aktuelle Nummer enttäuscht die positiven Erwartungen nicht. Hier gibt es alles, was das Hardcore Herz begehrt: Die Interviews (Weakerthans, Quest For Rescue, Sick Of It All uvm.) haben fast durchweg Tiefgang und das Heft strahlt eine angenehme DIY-Attitüde aus. Im zweiten Teil der Ü30-Interviewreihe können speziell die Älteren (z.B. Plastic-Bomb-Helge oder ZAP-Moses) mal aus dem Nähkästchen plaudern. Mit dem Press Gang Tourbericht kommt auch der Humor nicht zu kurz. Kurz gesagt: Ein gutes Heft, das Bock auf Hardcore macht. (dk)
UPTOWN STRUT # 1
kostenlos, erhältlich in fast allen Plattenläden
Uptown Strut richtet sich an ein Publikum, das Soul, Jazz und Funk hört sowie Vinylplatten kauft.
Die Debutausgabe beschäftigt sich mit dem Unique Label, das vor kurzem seinen 20. Geburtstag feiern konnte, der bekannte DJ Dynamic Eric stellt eher ungeläufigere Versionen von bekannten Titeln vor, Nick Recordkicks und einer der Veranstalter des Baltic Soul Weekenders werden interviewt.
Dann folgt ein schon länger bekannter Artikel von Reinhard Jellen zur deutschen Northern Soul Szene, der schmunzeln lässt, zB dann, wenn er Scooterboys als »eine Art Rocker auf Rollern, die anscheinend am liebsten Kirmes-Soul á la Billy Ocean hören« beschreibt oder auch wenn die Vinylsammelleidenschaft und das ästhetische Empfinden von Mods beschrieben wird. Zum Schluss erzählt Ada Loveshake noch über die tatsächlich etwas merkwürdige Abneigung des (deutschen) Northern Soul Publikums zum Funk. Das Heft ist umsonst, das Layout wie der Inhalt sehr gut, sodass es hoffentlich noch viele Nachfolgeausgaben geben wird. (Capone)