Tunes und ihre Geschichte (2): Ya Ho

Die jamaikanische Musikgeschichte ist reich an Tunes über Piraten: “Pirate” von den Ethiopians, “Morgan the Pirate” von den Mighty Diamonds und nicht zu vergessen das gruselige Orgelgestümpere “Crimson Pirate” von Peter Tosh. Auch an Piratensymbolik in Wort und Bild fehlt es nicht: da wäre natürlich der Treasure Isle Pirat, der Tune “Treasure Isle” (witzigerweise von Roland Alphonso und seinen Upsetters 1963 nicht etwa für Duke Reids Treasure Isle Label, sondern für Coxsone Dodd aufgenommen), das wuchtige “Treasure Island” von Don Drummond und so weiter und so fort.

Kein Wunder, schließlich spielte Piraterie in der Geschichte Jamaikas jahrhundertelang eine große Rolle. Mit Piratenkönig Sir Henry Morgan brachte es 1672 sogar einer der gefürchtetsten und bekanntesten Piraten aller Zeiten zum Vizegouverneur der Insel. Morgan galt zwar als miserabler Seemann, der in seiner ganzen Piratenkarriere kein einziges Seegefecht gewann und ständig Schiffe durch Navigationsfehler verlor, verstand es aber äußerst geschickt, seine Männer zu führen. Der von ihm erfundene Piratenkodex diente als allumfassende Alters- und Unfallversicherung für seine Männer und regelte die Teilung der Beute. Zu Zeiten Henry Morgans galt Port Royal im Süden der Insel als der place to be für Piraten überhaupt. Über 40 Kneipen und ein florierendes Prostitutionsgewerbe lockten Piraten aus der ganzen Karibik nach Jamaika. Während man auf Lumumba aus Teil 1 der Serie Tunes und ihre Geschichte ein gleichnamiges Getränk zweifelhaften gustatorischen Wertes trinken darf, kann man in Erinnerung an Sir Henry Morgan zu dem nach ihm benannten Captain Morgan Rum greifen. Mit Edward Teach, bekannt als Blackbeard, war auch der wohl zweitbekannteste Pirat in der Region unterwegs. Für die “schwarze” Geschichte Jamaikas spielt die Piraterie eine signifikante Rolle, da mit der Piraterie entflohenen Sklaven -sogenannten Maroons- zumindest eine Perspektive für ein Leben in vergleichsweise großer Freiheit offenstand. So war beispielsweise unter Piratenkapitän Samuel Bellamys Crew stets ein großer Anteil ehemaliger Sklaven. Das heißt jedoch nicht, dass die Piraten grundsätzlich Sozialrevolutionäre gewesen wären, im Gegenteil handelten auch viele Piraten selbst mit Sklaven.

Der meiner Meinung beste Piratentune überhaupt ist das von Coxsone Dodd produzierte “Ya Ho” von den Viceroys. Die Viceroys um Leadsänger Wesley Tinglin und die für die backing harmonies verantwortlichen Linval Williams und Daniel Bernard arbeiteten Ende der 60er mit Produzenten wie Coxsone Dodd, Derrick Morgan oder Sydney Crooks zusammen. In den 70ern entwickelten sie sich zu einer der bekanntesten Roots Bands. Ihr Rock Steady Output ist quantitativ mau, aber allererste Kajüte (“Fat Fish“, “Lip and Tongue“). Ihr Meisterstück lieferten sie mit dem textlich gesehen etwas infantilen, bombastischen Rock Steady Monster “Ya Ho” ab.

Long ago and long ago
The pirates have their fun in the burning sun
Sixteen men on a dead man’s chest
Yaho, Yaho, Yaho and a bottle of rum

posted by MoW in Musik,Politricks and have Comments (3)

3 Responses to “Tunes und ihre Geschichte (2): Ya Ho”

  1. Thx again!
    not to forget the good old Pirate Jack Sparrow with ,,Ice Water”
    http://www.youtube.com/watch?v=gvpxtTdHE1A
    king regards!

  2. […] addthis_config = {"data_track_clickback":true}; An entirely different kind of pirates than those mentioned in this blog a couple of days ago might be the hottest topic discussed in the reggae scene of today (e.g., […]

  3. MoW sagt:

    Humble Lion – Pirates On Shore, Killer Digi Roots

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