Reviews, die in Big Shot #4 keinen Platz gefunden haben
SKANNIBAL SCHMITT
Ska la Machette
(CD) ANR Music
Blöder Name, schwierige Musik, unverständliche Texte. Die Herren Schmitt machen Offbeat-hinterlegten Sprechgesang mit einem Bläsersatz zum Reinschlagen. Ganz entfernt sehe ich Parallelen zur Politbaskenband Negu Gorriak, aber in diesem Genre bin ich absolut nicht zu Hause und der Vergleich hinkt wahrscheinlich. Ohne die entsprechenden Sprachkenntnisse (französisch, spanisch) kann die Songqualität von Skannibal Schmitt nicht überzeugen. (BossK)
THE FOURTUNE TELLERS
Voodoo Girl
(EP)
Ein sehr schönes Coverfoto, drei gutgekleidete Herren und eine ganz bezaubernde Schlagzeugerin, das Vinyl selbst sieht ein wenig aus, wie die alten deutschen DECCA Pressungen und hier wurden die Stücke auch wie in der guten alten Zeit mit den aktuellen Modetänzen unterchrieben (Do you remeber how to do the slop?). Optisch also ein Volltreffer.
Musikalisch spielen die vier Garagebeat zum Tanzen als ob das Jahr 1966 noch nicht vorbei wäre. Wer auf Modsound steht und die Doin’ the mod Compilation “Maximum R’n'B” sein eigen nennt, kommt hierdran nicht vorbei. Für 2008 ist eine Tournee auch durch Deutschland angesagt, das sollte man sich nicht entgehen lassen. Das nächste große Ding! (Capone)
VARIOUS ARTISTS
Here comes trouble
(CD, DoLP) TV Eye Records
Sehr schöne Compilation von Indierock. Nicht dieser langweilige Depri-Scheiß mit dem man zu oft gequält wird (”mein Leben als erfolgreicher Popstar ist so scheiße, heul heul”), sondern Gitarrensound zum Tanzen von alten Bekannten wie den Nerves (”Get me high”) oder neuen Entdeckungen wie den Chaelets (”Love punch”). Mit dieser Compilation holt man sich eine großartige Indieparty nach Hause. I am looking forward to more trouble! (Capone)
THEIR HEARTS WERE FULL OF SPRING
A question of trust/Out of sight out of my mind
(7″) TV Eye Records
Die A-Seite erinnert mich stark an die Smiths und Morrissey, vielleicht noch Divine Comedy oder die Doves. Ein sehr schönes Midtempo-Stück, das einfach schön nach klassischem britischen Pop klingt. Die B-Seite finde ich doof. (Capone)
ROBB BLAKE
No Time To Waste
(CD) Do The Dog
Bei Robb Blake handelt es sich um den ehemaligen Sänger und Gitarristen der Ska-Punk-Band Whitmore. Auf seinem Erstlingswerk stellt er seinen Radio-kompatiblen Reggae (»Refugee«) und Ska (»I’ll Be There«) und irgendwas dazwischen (»There She Blows«) vor. Nicht schlecht, die unaufgeregten Songs, aber ohne Knoff Hoff-Pointe. Viele »ganz normale« Menschen da draußen werden es gerade deswegen mögen, für eingefleischte Ska-Hörer ist das aber ein bisschen wenig (für Reggae-Fans sowieso). (BossK)
RANTANPLAN
20359
(CD) Hamburg Allstyles Records
Das Besondere an der neuen Veröffentlichung der Hamburger Deutsch-Punk-Band Rantanplan ist, dass sie von Don Fury in New York produziert wurde, der bereits mit zahlreichen namenhaften Hardcore- und Punkbands zusammengearbeitet hat. Vielleicht wurden auch deshalb die Ska- und sonstigen Einflüsse runtergefahren - gut so. Rantanplan bedient ihr bisheriges Publikum bestens, um neue Fans zu gewinnen, reicht es trotz »Parallelleben« nicht. (BossK)
VARIOUS ARTISTS
Teenage Rebel… …der Sampler, Vol. 4
(CD) Teenage Rebel
31 Stücke aus dem Fundus des Punkrock Labels Teenage Rebel warten hier auf geneigte Hörer. Eine Menge Perlen (Attila the Stockbroker, Klamydia, Lokalmatadore, Razzia, Ruhrpottkanaken) sind dabei, ebenso einige wenige Totalausfälle (Brigade S, Herbärds). Das schönste Stück ist sicherlich „Neiti C“ von Punk Lurex OK, eine finnische Coverversion von „Ever in fallen in Love“ (Buzzcocks). Insgesamt ein guter Rückblick auf Teenage Rebel Scheiben der letzten zehn bis zwölf Jahre und das zum Günst-Preis. (Inspektor Harrington)
THE FLOOZIES
The Floozies
(EP) Floozietones
Eine durchwachsene EP kommt hier aus Solingen. Obwohl es sich doch um recht flotten englischsprachigen Garagepunk/Powerpop handelt, springt der Funke nicht so recht über. Irgendwie zu nervös und zappelig. (Inspektor Harrington)
TURBOLOVER
Brot für die Welt
(CD/LP) Puke
Oh Mann, was für ein Gesangsstil. Entweder ein ernsthaftes Kehlkopfleiden oder überreichlicher Genuss von heiserem Macho-Preßstimmen-Rock. Ansonsten hören wir eine Mischung aus Hardcore, Rockigem und Punkähnlichem. Die Texte sind nicht so klischeebeladen wie bei sonstigen Bands aus diesem Bereich, man bemüht sich hier sichtlich um Originalität. Hervorgegangen ist die ¾-straight egde Band übrigens aus Goyko Schmidt und den Bierpatrioten. So richtig sympathisch waren mir diese Bands nicht und angesichts des vorliegenden Tonträgers werden auch Turbolover wohl nicht zu meiner Lieblingsband. (Inspektor Harrington)
OHL
Jenseits von Gut und Böse
(CD) Teenage Rebel
„Jenseits von Gut und Böse“ beschreibt den politischen Standpunkt der frühen OHL-Scheiben treffend. OHL setzten sich mit ihren dämlichen Totalitarismus-Texten ja gerne zwischen Stühle. „Adenauer-Punx“ nannten wir sie damals wegen ihrem tumben Antikommunismus. Aber auf der vorliegenden Scheibe gibt es keinen verpeilten Polit-Texte, nein es handelt sich um Neuauflage der vierten OHL-Scheibe von 1986. Hier gibts „persönliche“ Texte unterlegt von Düster-Gruft Sound. Vom Deutschpunk hatten sich OHL damals zeitweise verabschiedet. Nicht szenerelevant. (Inspektor Harrington)
CONTRA REAL
Antifascist Punkrock
(CD) myspace.com/contrareal
Jawoll, hier gibts einfachen, flotten deutschsprachigen Geradeaus-Punkrock mit viel Uffta-Uffta. Die Drei aus Hamburg haben vorher bei lokalen Bands wie Kjan und PRAK mitgespielt. Das hört man und wie die Vorgänger-Bands sind Contra Real eine Band mit einem deutlichen linken Standpunkt. Anspieltips: „Rockerpopper“ und „Nazipack“. (Inspektor Harrington)
VARIOUS ARTISTS
Skannibal Party 7
(CD) Mad Butcher
Wenn man sich einen Überblick über die aktuelle Internationale Ska-Szene schaffen will, ist man mit den preisgünstigen Skannibal Party Samplern immer gut bedient. Die 21 Tracks sind recht unterschiedlich, aber durchweg von akzeptabler bis guter Qualität. Einzige Ausnahme: Spy Kowlik, die wirklich unterirdisch sind. Das wird dann wieder durch Magic Lord & the Mighty Drakkars aufgewogen, die sich als Newcomer Skinhead Reggae Act zu profilieren wissen. (Inspektor Harrington)
ENJOINT
Do you wanna dance?
(CD) Blind Alley
Sehr schön ist hier das schicke Retro Booklet. Leider kann hier die CD selber nicht ganz mithalten. Enjoint spielen recht durchschnittlichen, aber okayen 3rd Wave Ska mit italienischen Texten. Die guten Bläsersätze können das leider nicht so steigern, dass man total begeistert wäre. Befriedigend. (Inspektor Harrington)
WHISKEY DAREDEVILS
Old Favorites
(CD) Knock Out
Im Verhältnis zu manchem Stumpf-Punk-Oi! Der letzten Monate ist diese CD eine Wohltat für die Ohren. Die Übersetzung zahlreicher Klassiker aus dem Punk- und Hardcore-Bereich in einen neuen Stil (trashiger Rock’n’Roll und artverwandte US-Rootsmusic) ist ja keine wirklich neue Idee und auch nicht jede Interpretation der natürlich durchweg guten Auswahl (»Six Pack«, »Step On It«, »Straight Edge« u.s.w.) hinterlässt den Eindruck der Unverzichtbarkeit. Aber umgekehrt hat’s ja auch schon immer funktioniert, wenn es darum ging, Songs zu adaptieren, und »ein guter Song bleibt immer ein guter Song, egal, wie man ihn spielt«, wie Rude Knut zu sagen pflegt. Favoriten: Dead Kennedys’ »Let’s Lynch The Landlord« als Rock-A-Billy und »Skulls« von den Misfits als…ja, was eigentlich? Insgesamt schöne Musik zum Bierchen oder eben zum Whiskey. (Teleteddy)
PERSIANA JONES
Just For Fun
(CD) Leech Records
Fett produzierter und eingängiger Ska-Core aus Turin, der in Italien bis zu 40000 Leute zu den Konzerten zieht, aber eigentlich gar nichts besonderes ist. Auch hierzulande wird es Leute geben, die das gut finden, ich mag sowas aber eigentlich nicht hören, auch nicht nur zum Spass. (dk)
SENSA YUMA
Safe Sound & Insane
(CD) Potencial Hardcore
11 Mal druckvoller England-Punk mit kämpferischen Texten. (Ernst Ellert)
SQUID 58
Dismantled
(CD) Do The Dog Music
Ca. ein Jahr ist es jetzt her, dass die Band um Ex-Hotknives Sänger Mick Clare ihr Debüt-Album selber veröffentlicht hat. Inzwischen wurde es von Do The Dog Music re-released und bei der Gelegenheit komplett remastered. Eine gute Gelegenheit, sich die 10 Songs ganz in der Tradition der Hotknives zuzulegen. (Ernst Ellert)
THE NOT AMUSED
Flaunting Their Talents
(Mini-LP, 6 Songs auf 12″) King Mom Rec./Sprinter
Das ist jetzt so ziemlich eine der seltsamsten Situationen, in die ich jemals reingeschliddert bin, da ich hier ne Platte von einer meiner Ex-Bands vorliegen habe. Soll ich jetzt über den neuen Basser herziehen oder das Ding komplett runtermachen? Nein, ich glaube es ist ganz gut, daß der Jeff jetzt an meiner Stelle da mitspielt, da krawattenpunkiger Powerpop zwar noch in meine Lieblingshörliste gehört, aber ich sowas einfach nicht mehr spielen will. Die Scheibe hört sich extrem 79er-obskur-bis-Kennt-keine-Sau-und-kostet- auf-Ebay-ein-Vermögen-lastig an und das ist ein großes Lob. (Rude Knut)
GREEDY BEES
Makeshift Wings To The Stars
(CD) 808 Records
Die gefräßigen Bienen kommen aus dem Saarland und auch wenn der Promozettel behauptet, sie hätten einen eigenen Mix aus Punkrock, Ska, Jazz und Hardcore zu bieten, ist das für mich doch nur stinknormaler, langweiliger Skacore. Erinnert in seiner Hektik ein bißchen an Voodoo Glow Skulls, aber für sowas bin ich inzwischen eindeutig zu alt. (Ernst Ellert)
LOUIS LAMENT
Pimp bride with a smoke smile/Sugar sugar
(7inch) TV Eye Records
Fuzzy-Funky-Psych-Rock. Klingt ein wenig wie Jimi Hendrix. Ist super. Aber interessiert hier keinen, oder? Wenn doch: kaufen!!! (Capone)
REBELATION
State of the union
(CD) Do the Dog
Wirklich erstaunlich, wie viele überdurchschnittlich gute Ska Alben gerade auf der Insel produziert werden. State of the union ist eines dieser Alben, auch wenn man sich häufiger so großartigen Orgeleinsatz wie bei dem wunderschönen “some mistake” wünschen würde. Weiter so! (Derrick Morgenthau)
DESORDEN PUBLICO
Estrellas del Caos
(CD) Leech
Der Latin Ska der Venezuelaner von Desorden Publico versucht offensichtlich fehlende Orgel mit Tempo wettzumachen. Gut für Fans von: Che Guevara, Ska-P, Spananisch, 180 BPM. Nicht so gut für Fans von: jamaikanischem Ska. (Derrick Morgenthau)
THE BOTTROPS
st
(CD)
Beworben wird der Tonträger mit “14 Songs zum Preis einer Maxi-CD”, also man kriegt ordentlich was für sein Geld… Hier also das Debut der Nachfolger der bekannten Terrorgruppe: textlich/thematisch geht es in die selbe Richtung, nur daß MC Motherfucker eben nicht mehr singt und deshalb netterweise die nervigen “Nananas” wegfallen.Musikalisch ist die Truppe auch sehr viel transparenter/aufgeräumter geworden, so daß man mittlerweile auch sehr deutlich hören kann, was jeder einzelne da denn so treibt. Und das kann sich durchaus hören lassen, auch wenn es meinen Geschmack nicht zu 100 % trifft. (Rude Knut)
PANKERKNACKER #11
3 €, info(a)pankerknacker.com
Die elfte Nummer des Pankerknackers kommt in ansprechendem Format und Layout. Der Inhalt kann da nur teilweise mithalten. Ich finde das Konzept von Opa Knack, auf eine Vielzahl Mitarbeiter zurückzugreifen zwar sehr gut, weil so auch viel Abwechslung in den Stories ist, allerdings reiht sich so eben Gutes an weniger Gutes. Ganz schwach finde ich das Interview über Sardinien, dort scheint es nur nationalistische Machos zu geben. Sehr schade, dass Knack da offensichtlich wegen der rosaroten Brille vergisst, kritisch nachzuhaken. (dk)
ANTI EVERYTHING #6666
2,50 €, ae(a)nihilistjustice.de
Das Anti Everything ist wieder da, gut, ich hatte mal irgendwann die #1 gelesen und vom Rest nichts mitbekommen, aber was solls. Das Heft ist gut geschrieben und wandelt mit Berichten über z.B. den Unabomber oder die Turner Tagebücher abseits der üblichen Fanzinepfade. Die Story, die den Hauptteil bildet, ist mir allerdings zu abstrus.(dk)
OX #73
4,50 €, ox-fanzine.de
Immer wieder eine Herausforderung, sich zum Ox was aus den Fingern zu saugen. Dem Heft fehlt einfach Persönlichkeit, bei der Vielzahl der Schreiber ist das auch kein Wunder. So gibt es halt Interview an Interview, was ja wohl das ödeste überhaupt ist. Zum Glück ist dieses Mal die Auswahl recht gelungen - Bad Religion, EA 80, Manuel Andrack, Agent Orange, Suicidal Tendencies, das waren dieses Mal ganz schön viele, die mich tatsächlich interessiert haben. (dk)
OXO 86
Bernauer Bierchansons
(CD) Puke
Die Erstauflage dieses Tonträgers, die einst nur auf LP erschien, ist laut Label schon lange vergriffen, so dass man sich zu einer Neuauflage entschied. Bei OXO 86 handelt es sich um Ska-Punk und Trompeten-Punk der gefälligen Sorte. Der Liedtitel „Fußball & Alkohol“ beschreibt ganz gut die textlichen Schwerpunkte der Band. Oft wohl witzig gemeint, gleiten die Songs doch recht oft in alberne Gefilde ab. Kein Must-Have. (Inspektor Harrington)
BERLIN BOOM ORCHESTRA
Demo
(CD) wxw.berlinboomorchestra.de
Nachfolgeband von “Skaquadrat”, bisher u.a. Auftritte bei den “eSKApaden”-Parties und beim “Fluch der SKAribik”-Festival. Bei so viel Ska schwant einem schon schlimmes, aber die 3 Songs der Berliner sind dann doch ganz solide 3. Welle, natürlich mit den für ein Demo üblichen Schwächen bei Songwriting, Abstimmung und Aufnahme. (dk)
THE TOASTERS
One More Bullet
(CD) Leech/Megalith
Ganz ehrlich, ein neues Toasters Album ist für mich so interessant wie wenn in China ein Sack Reis umfällt. Die Band gibt es zwar schon eine halbe Ewigkeit, aber sie machen immer noch das Gleiche wie schon vor 25 Jahren. Mir persönlich ist dieser typische Toasters-Sound mit der charakteristischen Stimme von Bucket (der wohl mit Megalith ein neues Label am Start hat) inzwischen viel zu eintönig. Fans der Band werden es sich eh holen, unserereins läßt lieber die Finger weg. (dk)
MISTER X
Punx & Skins Unite & Win (Demo EP)
(CD) R.U. Records, contact: belsharp(a)tut.by
Roher, nach vorne gehender Streetpunk einer SHARP-Band aus Weissrussland, sicherlich nicht schlechter als das, was auch hierzulande abgeliefert wird. Lasst Euch vom “Demo-EP” im Titel nicht täuschen, das ist eindeutig besser als Demoqualität. (dk)